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Therapien und Methoden bei Autismus

 

Autismus ist nicht heilbar, aber die verschiedenen Symptome können gelindert werden.

Es gibt zwar nicht die Therapie für autistische Kinder, denn je nach Ausprägung und Intensität der Symptome müssen die pädagogischen und therapeutischen Ansätze verschieden sein. Aber es kann durchaus (zeitweise) ein Stückchen Normalität in Bezug auf Abbau von Ängsten und Irritationen, Wahrnehmung und Kommunikation erreicht werden, wenn man die richtige Strategie findet.

Dabei ist es wichtig, das Kind ganzheitlich zu sehen und zu fördern.

Manchmal erfordert es auch entsprechenden Mut, Therapien wieder wegzulassen bzw. zu ändern, wenn man erkennt, dass das Kind keine Fortschritte macht oder der Aufwand für Kind und Familie zu groß im Verhältnis zum Nutzen ist. Für Eltern ist es oft nicht einfach, die richtige Therapie zu finden zumal nicht in jeder Entwicklungsphase die gleiche Therapieform angesagt ist und die Behandlung regelmäßig neu überdacht werden sollte.

Auch Therapiepausen sind manchmal gut, da auch die Kinder therapiemüde werden, Ruhe und schließlich ganz neue Impulse brauchen.

Insgesamt kann jedoch keine allgemeingültige Empfehlung gegeben werden, denn so individuell unsere autistischen Kinder sind, so individuell ist auch ihr Weg durch und mit den Therapien.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden hier nur kurz die am häufigsten angewandten Therapieformen vorgestellt. Mit der Vorstellung ist keinerlei Empfehlung verbunden. Bitte informieren Sie sich selbst. Die angegebenen Links geben bei Bedarf genauere Infos.

Wenn Sie Therapeuten zu den vorgestellten Therapien suchen, finden Sie sehr schnell entsprechende Einträge in den Gelben Seiten Ihrer Region (auch online), oder wenden Sie sich zwecks Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern bitte an das Autismus-Kompetenzzentrum in Nürnberg, bzw. in Ihrer Region.

Sensomotorische / Körperwahrnehmungsorientierte Methoden

- Affolter-Therapie

Das Affolter-Konzept wird auch Geführte Interaktionstherapie“ genannt. Diese Therapie ermöglicht es den Patienten, praktisch und alltagsbezogen zu lernen. Bei gestörter Wahrnehmung kann man durch gezieltes Führen an Händen und Körper in Alltagssituationen zur Verbesserung der gespürten Informationssuche beitragen. Führen bedeutet, dass eine andere Person (Therapeut, Angehörige, Pflegepersonal etc.) mit dem Körper des Patienten Handlungen so ausführt, dass gemeinsame Beziehungen zwischen Patient und Umwelt hergestellt werden.

Weiterführende Infos (extern):

Wikipedia: Felicie Affolter

- Sensorische Integrationstherapie (Ayres)

Unter sensorischer Integration versteht man die Eingliederung von Sinneseinwirkungen in die Gesamtheit aller Gehirnfunktionen, d.h. über die Haut, Muskeln, Gelenke, das Gleichgewicht und durch das Sehen, Hören, Riechen und Schmecken. So können diese Sinneseinwirkungen für die Wahrnehmung und die Körper- und Gefühlsreaktionen angemessen genutzt werden und es kann eine sinnvolle Auseinandersetzung mit der Umwelt stattfinden. Mit dieser Therapie stellt man dem Kind Mittel zur Verfügung, "Ordnung im Gehirn" durch klare Strukturen oder Führung, durch engen Körperkontakt, spielerisches Handeln und ganzkörperlichen Bewegungen mit Hilfe der Therapeuten zu erreichen.

Weiterführende Infos (extern):

Gesellschaft für Sensorische Integration - Jean Ayres Deutschland und International e.V.

- Bobath

Das krankengymnastische Konzept hat unter anderem zum Ziel, noch nie oder verlernte Bewegungsfähigkeiten wieder zu erlangen, Spastiken zu hemmen, Gefühl für Körpersymmetrie und Körpermitte zu entwickeln, Schmerzen und Kontrakturen zu verhindern und Selbständigkeit und Sicherheit in alltäglichen Situationen zu erhöhen.

Vereinigung der Bobath-Therapeuten Deutschlands e.V.

Therapien der auditiven Wahrnehmung

- Auditory Integration Training

Training der Hörempfindlichkeit bzw. kompensatorische Gehörschulung. Die Therapie wurde von Dr. Guy Bérard entwickelt.

Bekannt wurde die Methode durch Georgiana Stehli, deren Wahrnehmungsprobleme nahezu völlig kompensiert werden konnten (Buch von Annabel Stehli: "Dancing in the Rain"). Ihre Eltern gründeten "The Giorgiana Organization", welche die Therapie weltweit promotet und vermarktet.

- Tomatis-Therapie

Das Ohr verhilft als Gleichgewichtsorgan zu aufgerichteter Haltung und harmonischen Bewegungsabläufen. Als Hörorgan gibt es Orientierung im Raum und bestimmt die Entwicklung unserer sprachlichen und stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

Bei einer Tomatis-Hörkur wird das gesamte Wahrnehmungssystem systematisch angeregt. Musik von W. A. Mozart, spezielle Gregorianische Gesänge und eine Stimmaufnahme der eigenen Mutter werden über spezielle Kopfhörer übertragen.
Mit einer Tomatis-Hörkur kann die Wahrnehmungsleistung des Ohres verbessert werden. Wird im Laufe der Hörkur das Gefühl für das Gleichgewicht sicherer sowie das Hören differenzierter und präziser, stellt sich eine größere Sicherheit und ein stabileres Selbstbewusstsein ein. Das spiegelt sich auch in einer besseren Konzentrations- und Lernfähigkeit wider. Bewegungsabläufe werden harmonischer, die Haltung sicherer. Es entsteht ein Stressabbau, durch den sich Kommunikationsfähigkeit und kreatives Potential entfalten können.

Tomatis Deutschland

- Musiktherapie

Autistische Kinder sind oft für Musik und Rhythmus zugänglich. Diese therapeutische Maßnahme kann daher nicht nur schöpferische Kräfte wecken und entfalten, sondern auch zur nonverbalen Kommunikation über Töne und Rhythmus führen.
Beim aktiven Musizieren kann das Kind Beeinträchtigungen und Stereotypien überwinden und leichte Ansätze für neue Handlungsmodalitäten entfalten, die es in seiner gesamten Entwicklung weiterbringt.

Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie

Lernpsychologisch / systemorientierte Methoden

- Verhaltenstherapie

Kinder mit Autismus können oft weder in die altersgerechte Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt eintreten, noch Informationen aus der natürlichen Umgebung angemessen verarbeiten. Dies führt zu erheblichen Störungen im emotionalen und sozialen Bereich ihres Lebens und verhindert häufig die Teilnahme an der Gemeinschaft. Die Verhaltenstherapie ermöglicht in kleinen verstehbaren Schritten den Erwerb neuer Verhaltensweisen bzw. den Aufbau sozialer Handlungskompetenz entsprechend der individuellen Lernmöglichkeiten des Kindes.

Innerhalb der Verhaltenstherapie gibt es zahlreiche Verfahren, die differenziert zu betrachten sind.

Wikipedia: Verhaltenstherapie

 

- TEACCH

TEACCH steht für „Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“ (dt.: „Behandlung und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbehinderter Kinder“).

TEACCH ist keine Therapie, sondern eine Methode, die es autistischen Menschen ermöglicht, trotz ihrer Behinderung ein Höchstmaß an Selbständigkeit und Lebensqualität zu erreichenund damit besser an der Gesellschaft teilhaben zu können.

Während das TEACCH-Programm als staatliche Institution in North Carolina nahezu einzigartig ist, hat der dort entwickelte pädagogisch- therapeutische Ansatz weltweit Anerkennung und Verbreitung gefunden und ist mittlerweile in vielen europäischen Schulen und pädagogischen Einrichtungen bekannt.

Oft werden die Hauptelemente der Strukturierung von Situationen und Handlungsabläufen und die Visualisierung praktisch umgesetzt.

Autea - Gemeinnütziges Institut für Autismus

Team Autismus

- Montessori-Therapie

Auf den Grundlagen der weltweit anerkannten und erfolgreichen Pädagogik und Heilpädagogik von Dr. Maria Montessori wurde unter wissenschaftlicher Leitung am Kinderzentrum in München die Montessori-Therapie entwickelt.
Dabei wurden die aktuellen Erkenntnisse der Neurophysiologie und Neuropsychologie, der Sozialpädiatrie und Genetik sowie das heutige Verständnis der Entwicklungsrehabilitation behinderter und entwicklungsverzögerter Kinder und deren Familien einbezogen.
Im Rahmen einer ganzheitlichen Förderung durch Vernetzung von motorischem, sensorischem, sozial-emotionalem und kognitivem Lernen bietet sie einen individuellen Hilfeplan.

Montessoritherapie

Monika Hahn - Montessoritherapie

 

- Psychotherapie

Wörtlich übersetzt bedeutet Psychotherapie „Behandlung der Seele“. Mit psychologischen Methoden wie psychotherapeutischen Gesprächen, Entspannungsverfahren oder kognitiven Methoden werden Störungen des Denkens, Handelns und Erlebens identifiziert und therapiert. Psychotherapeutische Maßnahmen werden immer häufiger als Ergänzung zu medizinischer Behandlung eingesetzt, etwa bei Schmerzzuständen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Psychotherapie ist eine gezielte Behandlung einer psychischen Krankheit. Die Behandlung soll die Behebung eines bestimmten Problems anstreben und somit zeitlich begrenzt sein.

 

Therapeutenfinder

Therapien mit Tieren

tiergestuetzte Therapie

- Therapeutisches Reiten

umfasst die Bereiche heilpädagogischesReiten, heilpädagogisches Voltigieren und Hippotherapie.

Beim Heilpädagogischen Reiten spielt die Beziehung zum Pferd die tragende Rolle. Der Reittherapeut fördert im Beziehungsdreieck „Klient-Pferd-Reittherapeut“ den konstruktiven Umgang miteinander und verfolgt als Ziel die persönliche und soziale Entwicklung.

Beim heilpädagogischen Voltigieren werden auf dem Pferd gymnastische Übungen und Geschicklichkeitsspiele ausgeführt. Der Bewegungsrhythmus des Pferdes wirkt dabei lockernd, ausgleichend und Angst lösend, gleichzeitig wird auf vielfältige Art und Weise die Wahrnehmung des Reiters angesprochen.

Bei der Hippotherapie werden Pferde zur Physiotherapie eingesetzt. Der Patient sitzt in der Gangart Schritt auf dem Pferderücken, so dass Bewegungsimpulse des Pferdes auf Becken und Wirbelsäule des Menschen übertragen werden können. Der gesamte Bewegungsapparat muss sich neu einpendeln, zugleich wird die Muskelspannung positiv beeinflusst. Die gesamte Haltung wird geschult und das Balancegefühl verbessert.

Deutsches Kuratorieum für therapeutisches Reiten

Freundeskreis therapeutisches Reiten

  

Kommunikationsförderung

- Sprachtherapie

Bei der kommunikativen Sprachtherapie (nach Hartmann) spricht der Therapeut dem Autisten Worte oder ganze Sätze vor, die wiederum vom Betroffenen imitiert werden. Schrittweise wird gelernt, dass man mittels Sprache etwas erreichen kann.

Letzten Endes setzt diese Therapie auf eine einfache Kommunikation, die zwischen Eltern und Kleinstkindern üblich ist. Schrittweise kann die sprachliche Kommunikation dann ausgebaut werden. Immer jedoch steht der Betroffene im Vordergrund, es soll Spaß machen und aufgrund positiver Erfahrung soll zu eigenen sprachlichen Experimenten animiert werden.

- Atem-, Stimm- und Sprechtherapie

Diese Therapieform (nach Schlaffhorst und Andersen) versucht mehr Bewusstsein für die Atemfunktion und Bewegung aufzubauen. Dabei wird mit Atem- und Stimmübungen die Körperspannung harmonisiert.
Langfristiges Ziel der Atem-, Stimm- und Sprechtherapie ist, bei den autistischen Kindern ein Gefühl für artikuliertes Sprechen zu entwickeln. Die individuellen Ursachen und Ausprägungen des Autismus erfordern eine starke Modifikation an die Möglichkeiten des jeweiligen Kindes.
Weitere Ziele sind die Reduzierung von Stereotypien und Hyperaktivität, die Aktivierung kommunikativer Lautierung, verbesserte Kontakt- und Beziehungsfähigkeit, Aufbau von Imitation, positive Kommunikations- und Lernerfahrungen als Motivation und Förderung von Sprachverständnis und Wortschatz.

Atmung und Stimme

- Gestützte Kommunikation (FC – facilitated communication)

FC ist keine Therapie, sondern stellt eine Kommunikationshilfe dar. Mit dieser Methode wird es manchen Menschen ermöglicht, durch gestütztes Zeigen auf z.B. Buchstaben oder Bilder zu kommunizieren. Dabei wird man durch einen Stützer physisch und/oder verbal unterstützt. Das Ziel ist immer, schließlich selbständiges, vom Stützer unabhängiges Zeigen zu erlernen, um ein Kommunikationsgerät nutzen zu können und Handlungskompetenzen zu erweitern.

ISAAC

- Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK)

GuK wurde für Kinder entwickelt, die nicht oder noch nicht sprechen, um durch den begleitenden Einsatz von Gebärden die Verständigung zu erleichtern. Es werden nicht alle Wörter gebärdet sondern nur Schlüsselwörter, die für das Verstehen der Mitteilung von Bedeutung sind. Durch das Gebärden und die Freude am Erleben von Kommunikation wird die aktive Sprachentwicklung nicht gebremst, sondern sogar gefördert.

DS Infocenter - GuK

Behinderte Kinder - Gebaerden

- PECS

PECS (Picture Exchange Communication System, zu deutsch: „Bildaustausch-Kommunikationssystem”) wurde Ende der achtziger Jahre als Kommunikationssystem zunächst nur für autistische Menschen entwickelt. Inzwischen verwenden es viele Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.
Die Verwendung von PECS ermöglicht es den betreffenden Personen, Kommunikation in einem sozialen Kontext zu verstehen und zu praktizieren. Mit Hilfe von Bild- oder Symbolkarten wird miteinander kommuniziert und ist dabei in der Lage, die mit einfachen Mitteln in vielfältigen Zusammenhängen anzuwenden.

 

 
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 27. November 2014 um 17:18 Uhr